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Sonntag, 19. Januar 2014

Göbekli Tepe - die verschwundene Zivilisation

Der Göbekli Tepe ("Bauchnabel-Hügel") ist ein prähistorischer Fundort auf einem langgestreckten, 750 Meter hohen Bergzug 15 Kilometer nordöstlich der südostanatolischen Stadt Şanlıurfa. Es handelt sich um einen durch wiederholte Besiedlung entstandenen Hügel (Tell) mit einer Höhe von 15 Metern und einem Durchmesser von rund 300 Metern. Er wird seit Mitte der 1990er Jahre als Langzeitprojekt des Deutschen Archäologischen Instituts ausgegraben. Bei diesen Arbeiten wurden bisher etwa 1,5 % des Areals komplett freigelegt, eine vollständige Ausgrabung ist nicht geplant.

Der nachfolgende Film befasst sich mit Göbekli Tepe und den dortigen Ausgrabungen. Die bislang freigelegten Tempelanlagen sollen nach Ausweis von Radiokohlenstoffdatierungen bis zu 11.500 Jahre alt sein, also ca. 7000 Jahre älter als die ägyptischen Pyramiden. In dieser Zeit befanden 'wir' uns eigentlich noch in der Steinzeit.
Die Erbauer der Tempel betrieben noch keine Landwirtschaft; sie waren Jäger und Sammler, die allerdings kein Nomadenleben mehr führten, sondern die Vorteile sesshafter Gemeinschaften erkannt hatten.
Unklar sei, woher die Erbauer das notwendige Ingenieurswissen hatten...bis zu 20 Tonnen schwere Monolithen wurden aus einem benachbarten Steinbruch auf den Hügel transportiert und aufwendig bearbeitet.
"Für die Errichtung solch großer Anlagen bedurfte es, neben der enorm großen Personenzahl für den Kraftakt des Transportes, auch vielfältiger logistischer Fähigkeiten. Wasser, Lebensmittel, Holz, Seile, Werkzeug, usw. musste alles arbeitsteilig von Hand zum Heiligtum getragen werden. Insgesamt waren Sozialstrukturen notwendig welche zu so einem frühen Zeitpunkt der Menschheitsgeschichte nicht vermutet wurden. Damit schufen die Steinmetze von Göbekli Tepe die ältesten Tempel der Menschheit." (A. Götz auf seiner Homepage über Göbekli Tepe)
Der Knackpunkt dabei: Steinzeitliche Jäger und Sammler waren gezwungen, ihre gesamte Zeit für die Nahrungsbeschaffung aufzuwenden. Erst die Einführung der Landwirtschaft, also Ackerbau und Viehzucht, ermöglichten eine Spezialisierung und verschaffte einem Teil einer größeren Gemeinschaft die Zeit, sich mit 'Sonderaufgaben' zu befassen. Dazu zählten beispielsweise die Einführung eines Totenkults und über Generationen hinweg einer Religion, welche erst zur Erbauung von Tempeln motivierte.

Göbekli Tepe könnte Hinweise dafür liefern, dass Religion vor der Landwirtschaft entstand und im Zuge der Spezialisierung (von Priestern, Schamanen o.ä.) den Auslöser darstellte, um Nahrungsmittel zu produzieren und diese Produktion zu managen.
Manche Dokumentation ist mit Vorsicht zu genießen, sofern sie die wissenschaftliche Forschung mit Schlussfolgerungen vermischt, welche aus den gewonnenen Erkenntnissen nicht zwingend abgeleitet werden können. Dies trifft m.E. auch auf diesen Film zu, wo er die verallgemeinernde Aussage trifft: Religion bzw. Totenkult habe sich zuerst entwickelt; sie bedingte die anschließende landwirtschaftliche Revolution.


geplant.

Samstag, 12. Januar 2013

Paul Watzlawick - Wenn die Lösung das Problem ist

Warum finden Probleme, auf deren Lösung Menschen ihre ganze Kraft konzentrieren, dennoch keine Lösung? Anhand vieler anschaulicher Beispiele vermittelt der Psychoanalytiker und C.G. Jung-Schüler Paul Watzlawick in diesem Vortrag seine Thesen, die heute wie vor 20 Jahren sehr bedenkenswert sind. 
In den 80ern wurde Prof. Dr. Paul Watzlawick durch zahlreiche Bücher wie „Anleitung zum Unglücklichsein", „Irrwege und Umwege", „Vom Schlechten des Guten" oder „Wie wirklich ist die Wirklichkeit" berühmt. 

Donnerstag, 20. September 2012

Buchtipp: Anna Komnene - Alexias


  • Anna Komnene - Alexias (online)

  • Anna Komnena, (1083 - 1148), Tochter des byzantinischen Kaisers Alexios I. Komnenos, war nicht nur mit antiker Literatur und Philosophie vertraut, sondern verfasste in einem Kloster ein bedeutendes historisches Werk der byzantinischen Literatur. 'Alexias' schildert in 15 Bänden den Werdegang und die Regierungszeit ihres Vaters. Zuvor waren ihre Bemühungen gescheitert, als Erstgeborene durch die Nachfolge ihres Vaters anzutreten. 
    Bis heute bildet ihr Werk eine der wenigen Primärquellen zur Geschichte von Byzanz zur Zeit des des ersten Kreuzzugs.

    Samstag, 8. September 2012

    'Strafsache Vatikan' v. Uli Weyland

    Die pauschale Verunglimpfung oder gar Verteufelung der römischen Kirche und ihrer absolutistisch ausgelegten Führungsriege um die jeweiligen Päpste ist schlichtweg unangebracht. 


    Ein seinen Einführungen zur Vorlesung 'Kirchengeschichte Basisstudium' unterstreicht Professor Kriegbaum die Notwendigkeit zur Vergangenheitsbewältigung - und erklärt, die Nachtseiten aus dem Gedächtnis sei kein gutes Mittel dieser Aufarbeitung. 
    "Dies gilt insbesondere deswegen, weil ich dann auch immer wieder vom Abgründigen im Menschen, gerade auch bei von mir besonders geliebten Menschen, überrascht, verwirrt und aus dem Gleis geworfen werden kann. Überreaktionen nach der Seite des Hasses aus enttäuschter Liebe erklären sich von daher."
    Dies gelte auch für den Umgang mit der Kirche, die nicht nur aus Heiligen, sondern auch aus normalen Menschen bestehe und immer bestanden hat. Selbst die Heiligen seien "nicht einfachhin heilig und gut" - auch an ihnen entdecke eine kritische Geschichtsforschung immer wieder das Böse und die Grenzen der Heiligkeit, die oftmals zu Lebzeiten der Heiligen so gar nicht wahrgenommen bzw. verstanden worden sind. 
    Der treue Gäubige liebe 'seine Kirche' kaum weniger, sofern ihm bewusst sei, wie abgründig auch das Böse in ihrer Mitte (und an ihrer Spitze) wirksam werden kann? 
    Die Kirche mit ihren Stärken und Schwächen zu kennen, sollte demnach nicht negativ bewertet bewerten... auch wenn die gegenwärtige Kirchenführung die dringende Notwendigkeit zur offenen Vergangenheitsbewältigung nur in Teilen erkennt und auch nur selektiv fördert.

    Das weitgehend vergriffene (aber gebraucht in Antiquariaten und im Buchversand erhältliche) Buch "Strafsache Vatikan" des früheren Stern-Redakteurs Uli Weyland wurde 1994 veröffentlicht. In einem fiktiven Prozess mit Jesus als Ankläger werden 46 Hauptbeschuldigte ausgemacht - Päpste, die vom ersten Jahrhundert bis in die Gegenwart für eine "beispiellose Verbrechensgeschichte" verantwortlich sein sollen.

    Die Wortwahl ist weniger gerichtstypisch, was im übrigen auch auf allzu wohlwollende Rezensionen zutrifft:
    "In seinem Eröffnungsplädoyer beschwört Jesus die Dimension der Klage und weist auf den Seher Johannes hin, der in seiner Apokalypse am Ende der Bibel "die Schreckensvision Kirche vorausgeahnt" hat. "Als Inkarnation der vier apokalyptischen Reiter zieht sich die Spur der Kirche durch die Weltgeschichte: Hunger, Pest, Krieg und Tod."
    Mit der Offenbarung des Johannes bin ich derzeit noch nicht sehr vertraut - kann als gesichert gelten, dass seine Vision die spätere katholische Kirche klar als inkarnierte Reiter der Apokalypse umfasste? Oder greift hier eine polemische Rhetorik??

    Für mich sind allein die Fakten interessant - auch im Hinblick auf eine sehr aktuelle Frage, nämlich den moralischen Anspruch der Römisch-Katholischen Kirche in ihrer Auseinandersetzung mit dem Islam oder bei der Beauftragung so genannter Sektenbeauftragter...

    Klemens I. - der als Bischof von Rom - bezichtigt unter anderem der Amtsanmaßung, der Falschaussagen und des Betrugs. Verworfen und schändlich sei es, wenn Klemens sich auf ihn, auf Jesus beruft, wenn der Bischof für sich reklamiert, Haupt der Kirche zu sein. Jesus klagt an: "Zu keinem Zeitpunkt meines Lebens habe ich daran gedacht, ein Papsttum zu stiften." Dies "steht im Widerspruch zu meiner Lehre."



    Als einer der traurigen Höhepunkte wird die Inquisition als Instrument zur Ausmerzung behandelt.  war Innozenz III. Auf seine Anordnungen geht zurück, dass jeder "Gläubige" gezwungen war, "bei seiner Beichte ´Verdächtige` anzugeben, und wer dies unterließ, war selbst der ´Ketzerei` verdächtigt und damit im Teufelskreis der Inquisitoren, aus dem es praktisch kein Entrinnen hab.

    Je intensiver die subjektive, wenn auch zum Teil nachvollziehbare Auffassung des Autors  als gesprochene Jesus-Worte installiert werden, um so mehr wächst mein Unbehagen.
     So gebe Jesus auch einen Überblick über mehrere Jahrhunderte: "Es schaudert mich, dem Gericht Zahlen nennen zu müssen, aber für den Zeitraum von 1232 bis etwa 1850 rechnen die Forscher mit mehreren Millionen Toten. Wie viele Menschen dabei auch seelisch zerstört worden sind, hat bis heute niemand auch nur zu schätzen gewagt. Mit der Inquisition und den Ketzerverfolgungen hat die Kirche Erpressung und Mord bis in die Familien getragen, da durch die Gebote ihrer Führer Eltern gezwungen wurden, ihre Kinder zu denunzieren, Kinder ihre Eltern, Männer ihre Frauen und Frauen ihre Männer ..."
    Und weiter:
    Diese von mir angeklagte Kirche hatte also eine zweite Hölle erfunden - die auf Erden." 

    In dieser negativen, z.T. überzeichneten Einseitigkeit dürfte die Lektüre dieses Buches kaum einem aktiven, überzeugten Angehörigen dieser Kirche zuzumuten sein.
    Ob es nicht zudem anmaßend ist, Jesus als Ankläger zu instrumentalisieren, habe nicht ich zu beurteilen.

    Erforderlich gewesen wäre auch, die durchaus vorhandenen Aspekte von Einsicht und Umkehr der Kirchenführung zu thematisieren - so distanzierte sich Johannes Paul II. mehrmals in offiziellen Erklärungen von schwere Vergehen der Kirche in ihrer Geschichte.

    Schade, denn eine kritische Bewertung kirchlichen Handelns über die reine Faktenlage tut Not, aber dazu erscheint dieses Buch leider ungeeignet.-

    Anmerkung:
    Der kirchengeschichtliche Gegenwartsbezug wird an anderer Stelle (als in diesem Buch) deutlich - im Hinblick auf die Frage, für welchen Umgang mit Andersgläubigen und Abweichlern in den eigenen Reihen sich die RKK denn heute festlegt (allerdings nicht mehr unter Befürwortung von weltlichen Machtmitteln und Gewaltanwendung):

    "Die Kirche hat kraft ihrer göttlichen Einsetzung die Pflicht, auf das gewissenhafteste das Gut des göttlichen Glaubens unversehrt und vollkommen zu bewahren und beständig mit größtem Eifer über das Heil der Seelen zu wachen. 

    Deshalb muss sie mit peinlicher Sorgfalt alles entfernen und ausmerzen, was gegen den Glauben ist oder dem Seelenheil irgendwie schaden könnte. Somit kommt der Kirche aus der ihr vom göttlichen Urheber übertragenen Machtvollkommenheit nicht nur das Recht zu, sondern sogar die Pflicht, gleich welche Irrlehren nicht nur nicht zu dulden, sondern vielmehr zu verbieten und zu verurteilen, wenn das die Unversehrtheit des Glaubens und das Heil der Seelen fordern." 

    (Neuner-Roos: 'Der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung', 1992 - ein offiziell anerkanntes Lehrbuch über  heute gültige Glaubenssätze der RKK)

    Dass dies nicht nur verstaubte Worte sind, zeigt ein Blick auf den derzeitigen 'Stellvertreter Gottes': 
    Vor seiner Papstwahl war Josef Ratzinger  der 'Großinquisitor der katholischen Kirche' - präziser: er war Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre.
    Die Congregatio pro doctrina fidei ist eine von Papst Paul III. mit der am 21. Juli 1542 als Kongregation der römischen und allgemeinen Inquisition) gegründete Zentralbehörde der RKK. Ihr obliegt der Schutz der Kirche vor Häresien (Irrlehren), d.h. abweichenden Glaubensvorstellungen.
    Ratzinger wandte sich mit Entschiedenheit gegen die auch sozialpolitisch verankerte Befreiungstheologie Südamerikas.
    Die christliche Befreiungstheologie versteht sich als „Stimme der Armen“ und will zu ihrer Befreiung aus Ausbeutung, Entrechtung und Unterdrückung beitragen. Aus der Situation sozial deklassierter Bevölkerungsteile heraus interpretiert sie biblische Tradition als Impuls für umfassende Gesellschaftskritik
    Es blieb nicht bei öffentlichen Maßregelungen, prominente Vertreter wie Ernesto Cardenal wurden zunächst diszipliniert und später mit Verboten traktiert.
    Unter Ratzingers Leitung wurden über 150 Theologen, die von der vatikanisch vorgegebenen Dogmatik und Moraltheologie abgewichen waren, mit Redeverbot, Suspension, Entzug des Lehrstuhls usw. belegt. 

    Auch als Papst hat Ratzinger an diesen an das Mittelalter erinnernden Zuständen nichts geändert: Zur Einstimmung reicht es aus, einmal das "Allgemeine Dekret in Bezug auf die Straftat der versuchten Ordination einer Frau" von 2007 auf der Homepage der Glaubenskongregation zu lesen. Darin heißt es:
    "Unbeschadet der Vorschrift von can. 1378 des Codex des kanonischen Rechtes zieht sich jeder, der einer Frau die heilige Weihe zu spenden, wie auch die Frau, welche die heilige Weihe zu empfangen versucht, die dem Apostolischen Stuhl vorbehaltene Exkommunikation latae sententiae zu."
    Der Fortschritt besteht offenbar darin, dass die Beteiligten zwar nicht mehr auf dem Scheiterhaufen landen, so lange sie noch leben. Im Jenseits aber sollen sie der ewigen Hölle und Verdammnis überantwortet werden - was nach katholischer Vorstellung die Folge der Exkommunikation ist, sofern diese zum Zeitpunkt des Todes noch besteht.


    ---
    Dokudrama "Die geheime Inquisition"


    Anmerkung:
    Mit der Titulierung als 'moderner Großinquisitor' hatte Ratzinger überhaupt kein Problem: Er sah sich in einer kontinuierlichen Linie mit der Inquisition früherer Jahrhunderte - mit einem Unterschied: Heute bediene man sich anderer Methoden.
    Ratzinger wörtlich: "Großinquisitor ist eine historische Einordnung, irgendwo stehen wir in der Kontinuität. Aber wir versuchen heut' das, was nach damaligen Methoden, zum Teil kritisierbar, gemacht worden ist, jetzt aus unserem Rechtsbewusstsein zu machen. Aber man muss doch sagen, dass Inquisition der Fortschritt war, dass nichts mehr verurteilt werden durfte ohne Inquisitio, das heißt, dass Untersuchungen statt finden mussten."

    Dienstag, 4. September 2012

    Die ersten Europäer – Dokumentation

    “…erste Teil der Dokumentation, die von 1,8 Millionen Jahren vor Christus bis ins Jahr 20.000 vor Christus reicht, schildert die Ankunft der ersten Hominiden aus Afrika und die aufeinanderfolgenden Wanderungen nach Europa, das langsame Aussterben des Neandertalers und die Anpassung des Homo sapiens an seine Umwelt.
    Ausgehend von genetischen Studien versetzt sich der Film zurück in das Leben einer Gruppe Männer und Frauen, von denen wir Europäer abstammen. […]
    Zwei Millionen Jahre dauerte die Evolution bis zum heutigen Homo sapiens
    .”

     

    Sonntag, 26. August 2012

    Der Teufel bei den Katharern und den Hexen

    Daniela Müller greift eine in der Forschung wie auch in populärer Literatur über die religiöse Bewegung der Katharer und ihre Verfolgung bzw. Vernichtung seitens der katholischen Kirche durchgängig anzutreffenden Annahme auf:
    Lange galt als gesichert, dass bald nach dem Albigenser-Kreuzzug in Südfrankreich die Hexenverfolgungen begonnen hätten, um die Katharer endgültig auszumerzen.

    Bekanntlich starben die ‘Ketzer’ Okzitaniens auf den Scheiterhaufen der Inquisition, in weltlichen und kirchlichen Gefängnissen; sie wurden über Landesgrenzen hinweg verfolgt und geächtet – bis um ca. 1320 in ganz Mitteleuropa (mit Ausnahme Bulgariens) kein Katharer mehr seinen Glauben öffentlich ausübte.

    Die vereinzelt vorkommende Rückkehr zum katholischen Glauben und in den Schoß der liebenden Mutter Kirche rettete den ‘Ketzern’ zwar das Leben, nicht aber ihre Existenzgrundlage, ihre Güter und ihre gesellschaftliche Stellung.
    Ein insoweit plausibel erscheinender Zusammenhang zwischen Katharer- und  Hexenverfolgung sei aufgrund der Fälschungen des Historikers Etienne de Lamothe-Langon als bewiesen angenommen worden. Dieser hatte in seiner Histoire de l’Inquisition en France um 1829 eine Reihe von Massenprozessen gegen  „Hexen“ in Toulouse und Carcassonne durchgeführt geschildert, denen Hunderte von Menschen zum Opfer gefallen sein sollten.
    Nachdem sie knapp 150 Jahre lang in allen einschlägigen Werken bereitwilltig zitiert wurden, konnte die von Lamothe überlieferten Textquellen in den 1970er Jahren als Fälschung entlarvt werden.

    Es scheint jedoch, als sei das Werk von Lamotte nicht der einzige konkrete Hinweis auf einen solchen Zusammenhang:Eine Hausarbeit über die Rolle des Domikikaner-Ordens in der Ketzerbekämpfung legt beispielsweise dar, diese habe bereits mit der „Ketzermission“ des Dominikus in Okzitanien begonnen. Schließlich sei der 1217 durch Papst Honorius III.
    anerkannte „Ordo fratrum Praedicatorum“ durchaus zu diesem Zweck ins Leben gerufen worden.
    In Ihrer o.a. Abhandlung hinterfragt Müller, ob der angenommene Kausalzusammenhang zwischen Katharern und Hexen weiterhin Bestand habe. Eindeutige Quellen dazu gebe es nicht, aber:
    Die Inquisitoren, die als erste gegen vorgebliche Hexen ermittelten, entstammten ja dem Orden der Dominikaner und waren somit bestens mit den Lehrmeinungen der Katharer vertraut 
    Es sei daher geboten, mögliche Einflüsse der katharischen Lehre vom Bösen und über den Satan auf die spätere „Hexenlehre“ zu untersuchen.
    Ein zentrales Element der katharische Theo­logie bildet die Erzählung vom Fall der Engel (‘Engelssturz’), der in seiner gnostischen Lesart Bezug auf das NT, Offb. 12,7-9 nimmt:
    7 Und es entstand ein Kampf im Himmel: Michael und seine Engel kämpften gegen den Drachen; und der Drache und seine Engel kämpften;
    8 aber sie siegten nicht, und ihre Stätte wurde nicht mehr im Himmel gefunden.
    9 Und so wurde der große Drache niedergeworfen, die alte Schlange, genannt der Teufel und der Satan, der den ganzen Erdkreis verführt; er wurde auf die Erde hinabgeworfen, und seine Engel wurden mit ihm hinabgeworfen.
    (Offenbarung d. Johannes 12, 7-9, Schl. 2000)

    Von hier aus wird erfolgt die Begründung des spezifischen katharischen Dualismus begründet – entweder in seiner radikalen oder seiner gemäßigten Form.
    “Luzifer wird, in Analogiebildung zu Gott und Jesus, seinem Sohn, als Sohn des bö­sen Gottes aufgefasst, der sich in einen Engel des Lichts verwandelt und wegen seiner großen Schönheit von den Engeln Gottes geliebt und vom Herrn als Verwalter ein­gesetzt wird. Mit seiner Verschlagenheit aber täuscht er die Engel, bringt sie zur Sünde und zieht sie aus dem Himmel weg.”
    Die Annahme eines vollkommenen ‘Guten Gottes’ und eines unvollkommenen, schlechten Gottes (Demiurg) ist ein wesentlicher Grundstein aller der Gnosis zugerechneten Strömungen, auch des Katharismus.
    Durch eine Akzentverschiebung trete zunehmend das Motiv der Verführung der Engel durch List und Tücke des Luzifer an die Stelle des gewaltsamen Kampfes. Nun erscheint nun auch die Frau – nicht überraschend, zumal List und Täuschung in der christlichen Tradition meist der Frau zugeordnet wird.  
    Daniela Meyer beschreibt sehr detailliert eine interessante Entwicklung, durch die einem weiblichen Himmelswesen als ‘Gehilfin des Teufels’ die Schuld am Engelsturz zugeschrieben werde (vgl. Brevis summula).
    Neben der das Weibliche entwertenden Vorstellung steht bei den Katharern auch Eva nach Berichten katholischer Polemiker vereinzelt in „besonderer“, nämlich geschlechtlicher Nähe zum Teufel:
    ”…in Geständnissen vor der Inquisition ist gleiches zu lesen, … dass aus dem Geschlechtsverkehr des Teufels mit Eva Kain, aus dem Adams mit ihr Abel entstanden sei.”
    Bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts war in Südfrankreich dagegen keine geschlechtsspezifische Schöpfungsge­schichte überliefert. Der Teufel erschuf die Körper der Menschen und schloss darin gefallene Engelsee­len ein. Von der Erschaffung Adams und Evas nur gesagt, dass Satan, bzw. Luzifer beide Körper gemacht habe.
    Männliche und weibliche Körper gehen auf das Werk des Teufels zurück; im Reiche des Guten Gottes gebe es keine Geschlechtsunterschiede. 

    Somit wurde eine Geschlechtsverbindung von Satan und Frau, bzw. weiblichem Wesen vor allem bei den italienischen Katharern angenommen – diese Versionen katharischer Vorstellungen waren auch den Dominikanern bekannt.
    (So allmählich ahnt man, worin der Zusammenhang zu den vermeintlichen 'Hexen’ späterer Jahre besteht, denen ebenfalls nachgesagt wurde, sie paarten sich mit dem Teufel und seinen Dämonen:)
    “Von hier aus könnte ein besonderes Interesse in dominikanischen Kreisen an einer Verbindung Frau und Teufel bestanden haben, was den Weg für entsprechende Bausteine der Hexenlehre geebnet haben könnte.”--
    Eines ist mir dabei unklar: Falls es sich bei der abwertenden Haltung in Teilen des Katharismus nicht nur um eine böswillige Polemik ihrer Ankläger handelte, weshalb wurden dann gerade bei den Katharern Frauen mit besonderer Verantwortung für soziale Einrichtungen, aber auch geistlicher Natur betraut?

    Pervertierte Öffentlichkeitsarbeit:
    Nach den Katharern waren die 'Hexen' an der Reihe


    Diese Lehrmeinung über den Bezug des Teufels zur Frau schlechthin mag ein verhängnisvoller Auslöser dafür sein, dass sich der Glaube an eine übernatürliche Hexerei bis etwa zum Jahre 1230 durchsetzte. Von da an beschäftigte man sich 'wissenschaftlich'  mit Zauberei und Hexerei
    Auch wenn man glaubte, alle Frauen von Natur aus schlecht und triebhaft seien, sollten bestimmte Körpermerkmale als Indikator dafür dienen, dass einzelne 'verdorbene Weiber' Unzucht mit dem Teufel ("Teufelsbuhlschaft) trieben. Nach solchen absurden Vorstellungen waren rotes Haare, tief liegende Augen sowie Sommersprossen und Warzen besonders verdächtig...

    Es dauerte ganze hundert Jahre, bis Papst Johannes 22. um 1326 festlegte, dass neben der Ketzerei nun auch die Hexerei gerichtlich verfolgt werden sollte. (Katharer gab es seit etwa 1320 keine mehr, die man noch zur Einschüchterung des Volkes nach inszenierten Schauprozessen hätte öffentlich verbrennen können. 
    Es mag etwas polemisch klingen, den damaligen Päpsten und Inquisitoren diese Motivation der 'Zielgruppenfestigung' zu unterstellen - doch es ist nun mal belegt, dass im südfranzösischen Okzitanien ganze Dorfgemeinschaften zwecks Abschreckung gezwungen wurden, öffentlichen Hinrichtungen von Häretikern beizuwohnen.

    Die systematische Hexenverfolgung setzte ein, als Innozenz VIII. 1484  in der der sog. Hexenbulle (Summis desiderantes affectibus) die Handlungen und Vergehen aufführte, die als 'hexentypisch' anzusehen waren. Die Bulle verlieh zwar die Vollmacht zur Zurechtweisung, Inhaftierung und Bestrafung verdächtiger Personen, jedoch nicht zur Hexenverbrennung.
    "Zusammenfassung von Hansen 1901: Papst Innozenz VIII. (Dominikanermönch Heinrich Kramer) ermächtigt die beiden in Deutschland tätigen Inquisitoren Heinrich Institoris und Jacob Sprenger [ebenfalls Mitglied des Dominikanerorden], gegen die Zauberer und Hexen gerichtlich vorzugehen. Er erklärt den Widerstand, den dieselben seither in Kreisen von Klerikern und Laien bei dieser Tätigkeit gefunden haben, für unberechtigt, da diese Verbrecher tatsächlich unter die Kompetenz der Ketzerrichter gehören, und beauftragt den Bischof von Straßburg, die den Inquisitoren etwa entgegengesetzten Hindernisse durch die Verhängung kirchlicher Zensuren zu beseitigen."

    Der Hexenhammer (malleus maleficarum) des Dominikaners Heinrich Kramer knüpfte 1487 möglicherweise an die vorgeblich in katharischen Schriften zu findende Minderwertigkeit der Frau an - nun wurde auf die Urgeschichte des Alten Testaments im 1.Buch Mose verwiesen:
    Frauen seien schon bei der Schöpfung benachteiligt gewesen, weil Gott Eva aus Adams Rippe schuf. Außerdem wurden den Frauen Defizite im Glauben vorgeworfen, die als „Feind der Freundschaft, eine unausweichliche Strafe, ein notwendiges Übel, eine natürliche Versuchung, eine begehrenswerte Katastrophe, ..., einen erfreulichen Schaden, ein Übel der Natur“ bezeichnet werden.
     
    Zu den Opfern der Hexenverfolgung heißt es hier:
    "Nach neueren Forschungen und umfangreichen Auswertungen der Gerichtsakten geht man davon aus, dass die Verfolgung in ganz Europa etwa 40.000 bis 60.000 Todesopfer forderte. Etwa 25.000 Menschen wurden auf dem Boden des Hl. Römischen Reichs Deutscher Nation [...] hingerichtet." 
    Eine andere Zahl verdeutlicht das Ausmaß besser: Insgesamt soll etwa drei Millionen Menschen der Prozess gemacht worden sein, wobei Enteignungen zum Wohle der Kirche und Haftstrafen am zahlreichsten waren.-








    Donnerstag, 23. August 2012

    Kreuzzüge - Die Verfolgung der Katharer

    Einige Fakten über Glaube, Lebensweise und das Schicksal der 'häretischen' Katharer sind hier zusammengestellt. Der nachfolgende Film von Peter Milger stellt primär die geschichtlichen Ereignisse und Zusammenhänge dar, welche in die systematische Vernichtung der Katharer nicht nur in Südfrankreich mündeten.

    Es wird auch deutlich, wie sehr die Interessen eines feudalistischen Staatswesen mit dem Anlegen der sich selbst als alternativlos auffassenden katholischen Kirche verbunden waren...


    Dienstag, 14. August 2012

    Die Feierlichkeiten des Schahs von Persien in Persepolis (1971)

    ARTE hat 2010 einen mehr als 40 Jahre alten 'Filmschatz' aufbereitet: die Feierlichkeiten des Schahs von Persien in Persepolis im Oktober 1971 anlässlich des 2.500-jährigen Bestehens der Persischen Monarchie:
    "Die prunkvollen Feierlichkeiten spielten sich in einer riesigen, sternförmigen Zeltstadt vor den Ruinen von Persepolis ab, der Hauptstadt des antiken Perserreichs. Vor dieser grandiosen Kulisse empfingen der Schah und die Kaiserin Farah Diba drei Tage lang rund 60 gekrönte Häupter und Staatschefs beziehungsweise deren Vertreter aus fünf Kontinenten. Das immens kostspielige Fest stand im krassen Gegensatz zur Armut der Bevölkerung.
    Was bezweckte der Schah mit all dem Pomp? Wie wirkten sich die Feierlichkeiten politisch aus? Und warum folgten so viele ausländische Staats- und Regierungschefs der Einladung zu dieser Jubelorgie in der Wüste?"