Das Buch 'Einführung in die Biologie' von Dieter Helm (kostenloser PDF-Download möglich) begeistert mich. Anhand von kurzweiligen Wissenschaftsromanen werden wichtige Kapitel der modernen Biologie eingeleitet und anschließend ausführlicher bearbeitet.
Die Zielgruppe wird etwas flapsig durch ein Zitat von H.M. Mertens umschrieben:
„Für Leute, die bald auf Universitäten gehen wollen, oder kaum dahin gekommen sind.“
Jedenfalls sind auch komplexe Inhalte so aufbereitet, dass sie auch ohne biologisches Vorwissen verstanden werden können. Als Verbindungsglied zwischen zwischen Schul-Biologie und der Universitäts-Biologie gedacht, lohnt sich die Lektüre auch für Erwachsene.
"... inzwischen ist es Hans Schöler am Max-Planck-Institut für
molekulare Biomedizin in Münster gelungen, mit einem einzigen Gen [mit der Bezeichnung oct4], die
Lebensuhr in neuronalen Stammzellen zurückzudrehen: Aus adulten
Stammzellen des Gehirns züchtete er pluripotente Zellen, die sich wie
embryonale Stammzellen verhalten - jene Alleskönner, auf denen die
Hoffnungen der regenerativen Medizin ruhen. Mit ihnen könnte sich die
Hoffnung nach einer unerschöpflichen Quelle für körpereigenes
Ersatzgewebe erfüllen, das sich zur Therapie diverser Krankheiten wie
Parkinson, Herzleiden oder Diabetes eignet."
"Der Schwarm" lässt grüßen... ;)
Dass einzellige Lebewesen sich zu großen Gemeinschaften zusammenschließen, die manchmal auch mit der Bezeichnung 'Superorganismus' versehen werden, ist nicht neu. Aus dieser Sichtweise kann sogar der "Mensch als Superorganismus" aufgefasst werden, zumindest besteht aber eine sehr enge Symbiose mit einer Unzahl dieser mikroskopisch kleinen Lebewesen:
"Etwa 100 Billionen Bakterien leben auf Ihrer Haut, in Ihrem Mund, in Ihrem Magen. Auf jede ihrer Körperzellen kommen etwa zehn Zellen von Bakterien."
Andererseits geht der australische Biologe Tim Flannery davon aus, dass die gesamte Menschheit auf dem Weg sei, ebenfalls einen solchen Superorganismus zu bilden. Diese Sicht ist nicht unumstritten, scheint sie doch den Wert des Individuums nicht eben zu betonen.
Seit Frank Schätzings Bestseller zählt der Begriff der 'Schwarmintelligenz' ohnehin zur Allgemeinbildung - im Sinne eines vielzelligen Organismus angesehen, dessen Individuen Rolle der Körperzellen ausfüllen. Ein Kommunikations-System oder -netzwerk welches die Individuen verbinde, spiele die Rolle des Nervensystems für diesen Superorganismus. Ist eine solche Form der 'Intelligenzbildung' nicht nur beispielsweise für Insekten, sondern auch für Einzeller nachweisbar?
- Wenn man diesem FTD-Beitrag glauben darf, futtert derzeit ein semi-intelligenter Superorganismus aus Mikroben die gesamte Titanic auf.
Neu ist dagegen (jedenfalls für mich):
In den obersten Zentimetern des Meeresbodens fließt Strom: Tausenden von Bakterien einer Art lagern sich zu zusammen und bilden lange Ketten. Durch sie transportieren die
Einzeller Elektronen, berichtet SPIEGEL online.
Auf diese Weise können sie den obersten Bodenschichten enthaltenen Sauerstoff sowie bestimmte Nährstoffe nutzen. Diese Strategie war bis dato noch nicht bekannt.
"Sie funktioniert nur durch den Zusammenschluss Tausender Einzeller. Man
könnte sie daher durchaus als einen mehrzelligen Organismus ansehen."
Sicher scheint, dass die Mitglieder dieser Kolonien in einer mikrobiellen Sprache kommunizieren, etwa durch Botenstoffe oder elektrische Signale.
In beiden Fällen ist spekulativ von einer neuen Bakterienart die Rede.
Ich denke und hoffe mal, dass damit eine neu entdeckte Arten gemeint sind; denn würden sich seit neulich wirklich neue (genetisch mutierte?) Bakterienarten breitmachen, organisieren und ganze Schiffe verzehren, müsste man sich ernsthaft Sorgen machen...
Siehe auch