Montag, 4. Februar 2013

Die Himmelsläufer von New York

ARTE Dokumentation über Mohawk-Indianer, die seit 100 an der Skyline von Newyork bauen. Als Stahlbau-Monteure arbeiten sie in schwindelnder Höhe...

Samstag, 12. Januar 2013

Paul Watzlawick - Wenn die Lösung das Problem ist

Warum finden Probleme, auf deren Lösung Menschen ihre ganze Kraft konzentrieren, dennoch keine Lösung? Anhand vieler anschaulicher Beispiele vermittelt der Psychoanalytiker und C.G. Jung-Schüler Paul Watzlawick in diesem Vortrag seine Thesen, die heute wie vor 20 Jahren sehr bedenkenswert sind. 
In den 80ern wurde Prof. Dr. Paul Watzlawick durch zahlreiche Bücher wie „Anleitung zum Unglücklichsein", „Irrwege und Umwege", „Vom Schlechten des Guten" oder „Wie wirklich ist die Wirklichkeit" berühmt. 

Donnerstag, 3. Januar 2013

‘Deep Thought’ und der Sinn des Lebens

(aus dem Buch ‘Per Anhalter durch die Galaxis‘ v. Douglas Adams)

Ein Mann stand vor dem Gebäude, das den Platz deutlich beherrschte, auf einem bunt geschmückten Podium und sprach über eine Lautsprecheranlage zu der Menge: “Liebe Freunde, die ihr hier im Schatten von Deep Thought wartet!”, rief er, “Ruhmreiche Nachfahren von Vrumfondel und Magikweis, den größten und wahrlich bedeutendsten Gurus, die das Universum je hervorgebracht hat...  Die Zeit des Wartens ist vorüber!”

Stürmische Hochrufe brachen aus der Menge hervor. Fahnen, Papierschlangen und begeisterte Pfiffe segelten durch die Luft. Die engen Straßen sahen fast wie auf den Rücken gedrehte Tausendfüßler aus, die wie verrückt mit den Beinen in der Luft rumstrampelten.
“Siebeneinhalb Millionen Jahre hat unser Geschlecht auf diesen großen und hoffnungsvollen Augenblick der Enthüllung der Wahrheit gewartet!”, rief der Oberjubler, “Den Tag der Antwort!”
Die hingerissene Menge brach in Hurras aus.

“Nie wieder”, schrie der Mann, “nie wieder werden wir morgens aufwachen und uns fragen ‘Wer bin ich?’, ‘Was ist der Sinn meines Lebens?’, ‘Macht es – kosmisch betrachtet – wirklich etwas aus, wenn ich nicht aufstehe und arbeiten gehe?’ Denn heute werden wir endlich und ein für alle Mal die schlichte und einfache Antwort auf alle diese bohrenden kleinen Fragen des Lebens, des Universums und aller Dinge erhalten!”
Zwei schlicht gekleidete Männer saßen ehrfurchtsvoll vor dem Terminal und warteten.

“Die Zeit ist gleich um.”, sagte der eine.
“Vor 75.000 Generationen brachten unsere Ahnen dieses Programm ins Rollen”, sagte der zweite, “und nach dieser langen Zeit werden wir die ersten sein, die den Computer wieder sprechen hören.”
“Eine ehrfurchtgebietende Aussicht, Phouchg”, stimmte der erste zu.
“Wir sind diejenigen”, sagte Phouchg, “denen er die Antwort geben wird auf die große Frage nach dem Leben…”
“…dem Universum…”, sagte Luunquoal.
– “…und allen Dingen…!”

“Schsch!”, sagte Luunquoal mit einer leichten Handbewegung, “Ich glaube, Deep Thought wird gleich sprechen.”

Es folgte eine kurze, erwartungsvolle Stille, als an der Vorderseite des Schaltpults Armaturen langsam aufzuglühen begannen. Lämpchen gingen probeweise an und aus und bildeten schließlich ein nüchtern-geschäftsmäßiges Muster. Ein sanftes tiefes Summen war aus dem Mitteilungsfrequenzband zu vernehmen.
“Guten Morgen”, sagte Deep Thought endlich.
“Äh… Guten Morgen, oh Deep Thought”, sagte Luunquoal ängstlich, “hast du… äh, das heißt…”

“…eine Antwort für euch?”, unterbrach ihn Deep Thought würdevoll. “Ja. Die habe ich.”
Die beiden Männer zitterten vor froher Erwartung. Ihr Warten war nicht vergeblich gewesen. “Es gibt tatsächlich eine?”, hauchte Phouchg.
“Es gibt tatsächlich eine.”, bestätigte Deep Thought.

“Auf alles? Auf die große Frage nach dem Leben, dem Universum und allen Dingen?” 
“Ja.”

Beide Männer waren auf diesen Augenblick gedrillt worden, ihr Leben war eine einzige Vorbereitung auf diesen Moment, man hatte sie bereits bei ihrer Geburt als diejenigen ausgewählt, die der Antwort beiwohnen würden, aber selbst sie wurden gewahr, dass sie jetzt nach Luft schnappten und rumhampelten wie aufgeregte Kinder.

“Und ...du bist bereit, sie uns zu geben?”, drängte Luunquoal. 
“Das bin ich.” -”Jetzt?” “Jetzt.”, sagte Deep Thought. Beide Männer leckten sich ihre trockenen Lippen.
“Allerdings glaube ich nicht”, setzte Deep Thought hinzu, “dass sie euch gefallen wird.”
“Das macht doch nichts!”, sagte Phouchg. “Wir müssen sie nur jetzt erfahren. Jetzt!”

“Jetzt?”, fragte Deep Thought.
“Ja! Jetzt…”

“Also schön”, sagte der Computer und versank wieder in Schweigen. Die beiden Männer zappelten nervös hin und her. Die Spannung war unerträglich.

“Sie wird euch bestimmt nicht gefallen”, bemerkte Deep Thought. “Sag sie uns trotzdem!”  – 
“Na schön”, sagte Deep Thought. “Die Antwort auf die große Frage…” – “Jaaa…!”
“…nach dem Leben, dem Universum und allen Dingen…”, sagte Deep Thought. “Ja…!” – “…lautet…”, sagte Deep Thought und machte eine Pause. “Ja…!” -”…lautet…” – “Ja…!!!…???”

“Zweiundvierzig“, sagte Deep Thought mit unsagbarer Erhabenheit und Ruhe.

Es dauerte lange, lange, ehe wieder jemand sprach.
Aus den Augenwinkeln sah Phouchg unten auf dem Platz das Meer gespannter und hoffnungsvoller Gesichter. “Jetzt werden sie uns wohl lynchen, was meinst du?”, flüsterte er.
“Es war eine sauschwere Aufgabe.”, sagte Deep Thought mit sanfter Stimme.


“Zweiundvierzig!”, kreischte Luunquoal los. “Ist das alles, nach siebeneinhalb Millionen Jahren Denkarbeit?”
“Ich hab’s sehr gründlich nachgeprüft”, sagte der Computer, “und das ist ganz bestimmt die Antwort. Das Problem ist, glaub ich, wenn ich mal ganz ehrlich zu euch sein darf, dass ihr selber wohl nie richtig gewusst habt, wie die Frage lautet.”
“Aber es handelt sich doch um die große Frage! Die letzte aller Fragen nach dem Leben, dem Universum und allen Dingen.”, jammerte Luunquoal.
“Ja”, sagte Deep Thought in einem Ton, als ertrüge er es mit Freuden, mit solchen Idioten zu reden, “aber wie lautet sie denn nun?”


Ein dumpfes, verblüfftes Schweigen kroch über die Männer weg, als sie erst den Computer anstarrten und dann sich.
“Naja, weißt Du, es geht einfach um alles… um alles.”, schlug Phouchg schüchtern vor. “Genau!”, sagte Deep Thought. “Wenn ihr erstmal genau wisst, wie die Frage wirklich lautet, dann werdet ihr auch wissen, was die Antwort bedeutet.”
“Oh Gott, grauenhaft”, murmelte Phouchg, pfefferte sein Notizbuch in die Gegend und wischte sich eine winzige Träne aus dem Auge.

“Also schön, okay, okay”, sagte Luunquoal, “kannst du dann bitte wenigstens die Frage sagen?” – “Die letzte aller Fragen?” – “Ja!”
“Nach dem Leben, dem Universum und allen Dingen?”- “Ja!”

Deep Tought dachte einen Moment nach. “Knifflig.”, sagte er. “Aber du kannst sie uns doch sagen?”, schrie Luunquoal.
Deep Thought dachte wiederum lange darüber nach. Schließlich sagte er mit fester Stimme: “Nein.”

[Immerhin wird noch ein Lösungsvrschlag unterbreitet:]
Die beiden Männer sanken verzweifelt auf ihre Stühle.
“Aber ich werde euch sagen, wer das kann”, sagte Deep Thought.
Wie auf ein Kommando sahen beide nach oben.

“Wer? Sag es uns!” [...]

“Ich spreche von keinem anderen, als von dem Computer, der nach mir kommt”, verkündete Deep Thought, und seine Stimme nahm wieder ihren gewohnten Predigtton an.
“Ein Computer, dessen simpelste Funktionsparameter zu berechnen ich nicht würdig bin – und doch werde ich ihn euch entwerfen. Ein Computer, der die Frage nach der Letzten aller Antworten berechnen kann, ein Computer von so unendlicher und unerhörter Kompliziertheit, daß das organische Leben selbst einen Teil seiner Arbeitsmatrix bildet.


Und ihr selbst werdet neue Gestalt annehmen und in den Computer steigen und sein Zehn-Millionen-Jahre-Programm steuern! Ja! Ich werde euch diesen Computer entwerfen. Und ich werde ihn euch auch benennen.
Und er soll heißen…

… Die Erde.”

Donnerstag, 20. Dezember 2012

Die Annunaki haben es in den STERN geschafft...

Als Garant für den Weltuntergang ungeeignet

Bisher, so war jedenfalls mein Eindruck, beschränkte sich die etablierte Presse auf die Szenarien für den 21.12.12, die zumindest einen realen Kern haben. Doch das Quotenkarussell muss sich weiterdrehen - mit den bekannten Gruselstories geht das bis morgen um 23:59h.


Florian Freistetter, den ich bislang durch seine Bücher und seinen Wissenschaftsblog kannte, hat im STERN einen Artikel "Fakten zum Maya-Kalender: Die mysteriösen Weltuntergangsszenarien der Esoteriker" verfasst.

"Kein Wissenschaftler glaubt an die Interpretation des Maya-Kalenders, nach der noch diesen Monat die Welt untergehen soll. Doch für Esoteriker bleibt der 21.12.2012 ein besonderes Datum. Wahlweise rauscht dann Planet X in die Erde, wir alle ziehen in eine andere Dimension um – oder die Annunaki kommen".
In seiner Darstellung mutieren die Erwartungen und Ängste in Bezug auf kommenden Freitag zu einer Angelegenheit verschiedener Esoteriker-Fraktionen ('Pessimisten und Optimisten'). Tatsächlich scheint sich der gesamte, ach so aufgeklärte Westen in drei Lager geteilt zu haben: jene, die genau zu wissen glauben, was zur diesjährigen Wintersonnenwende passiert - und die Gruppe derer, die mit Sicherheit angeben kann, was alles nicht geschehen wird.
Und dann ist da noch der gleichgültige Rest, den das Thema absolut nicht tangiert (was aber kein Hindernis darstellt, sich an diesem Freitag auf einer der vielen Weltuntergangspartys einzufinden und ordentlich einen zu nehmen...

Wäre es für die Untergangsgläubigen nicht klüger gewesen, sich auf ein konkretes Szenario 
zu einigen (z.B. Sonnenstürme, deren Existenz und Bedrohlichkeit sind unbestreitbar)? Schwer zu sagen: dies hätte zwar die Glaubwürdigkeit insgesamt beträchtlich erhöht, aber die Möglichkeit genommen, schnell noch eine eigene und möglichst profitable 'Theorie' zum 21. Dezember 2012 aufzustellen. 
Der bekannte Ufo-„Forscher“ Erich von Däniken glaubt zum Beispiel, dass Außerirdische zur Erde zurückkehren werden – allerdings hält er sich die Möglichkeit von Berechnungsfehlern offen: die Umrechnung des Mayakalenders auf den heute verwendeten Kalender enthalte eine Genauigkeitslücke von 20-25 Jahren.

Wie in seinen Blogartikeln präsentiert Freistetter auch im Stern die skurrilsten Vorstellungen für den 21.12., auf meiner persönlichen Top-Ten-Liste rangiert neben dem kollektiven "Aufstieg in die 5. Dimension" (dank unserer Schwarmintelligenz oder weil die Aliens so hilfsbereit sind) die Abhandlung über Nibiru, die er auf der Webseite raumbrueder.de entdeckt hat:

"Er soll allerdings kein Planet sein, sondern ein Brauner Zwerg. Einer seiner Monde wird nach Meinung des Seitenbetreibers von den Anunnaki bevölkert. Die Anunnaki '(...) sind eine humanoide Art (Mensch-Reptil-Hybriden) mit unterschiedlichem Aussehen. Sie sehen uns Erdenmenschen teilweise sehr ähnlich. Haarfarbe: blond bis schwarz, auch rot. Größe der Männer: 2 – 2,20 Meter; Frauen: 1,80 – 2,20 Meter. Sie kommen aus dem Aldebaran System im Sternbild Stier. Ihre Nachfahren sind in den Plejaden gesiedelt.' "
Die Prä-Astronautik-These an sich halte ich zwar in Teilen für diskussionswürdig, denn die neolithische Revolution ist m.E. zu vielfältig in ihren Errungenschaften, als dass sie sich allein durch eine günstige Klimaveränderung (nicht nur in der Agrarwirtschaft, sondern auch in Bezug auf Astronomie, Schulsystem, Schrift, politisches System etc.) erklären ließe.
Es ist nun einmal eine Tatsache, dass weltweit etliche alte Kulturen in Mythen von 'göttlichen Lehrmeistern' berichten. Diese hätten vor Jahrtausenden die meist auf jungsteinzeitlichem Niveau lebenden Erdlinge besucht und seien dann zu ihren Heimatsternen zurückgekehrt.

Andererseits fragte ich mich (für einige Sekunden), wie groß der technische Aufwand wohl sei, damit am Ende so ein Kurzfilm dabei herauskommt:

Dann fiel mein Blick auf die entscheidende Zeile der Erklärungstafel: 
"The One-Horned Human is designed as a virtual fossil discovery from 2942 AD..."
Also ein Kunstgegenstand, vielleicht eine Art futuristische Körperwelten-Variante?Warum aber landet das Video dann in einem Artikel über frühe außerirdische Besucher auf der Erde? Ein simples Versehen - oder der Versuch, die eigene Leserschaft zu beeindrucken?]
Mit der Anunnaki-These, wie sie ursprünglich von dem "selbsternannten Sumerer-Experten Zecharia Sitchin" aufgestellt wurde, hat dieses Video (wie auch andere auf der Raumbrüder-Seite zusammengestellte Relikte) jedenfalls nichts zu tun. 
  • Die Annunaki sind 'eigentlich' die Unterwelt-Götter in der mesopotamischen Mythologie, welche den Göttern des Himmels (Igigi) gegenübergestellt werden. Im Enūma elisch müssen die Igigi für die Annunaki arbeiten, bis sie dagegen rebellieren.  
  • Die Anunna stellen in der sumerischen Religion den göttlichen Ältestenrat dar. Sie werden mit den Annunaki gleichgesetzt.
Sitchin, ein amerikanischer Bestsellerautor, entwickelte aus der Übersetzung von sumerischen Keilschrift-Texten dagegen die Theorie, dass vor 432.000 Jahren die von Nibiru stammenden Anunnaki die Erde kolonisiert und den Menschen durch genetische Manipulation von Primaten als Arbeitssklaven erschaffen hätten. Der Mensch ('Adamu') habe im Auftrag der Außerirdischen vor allem Arbeiten in Gold- und Uranbergwerken verrichten müssen. 

Die Außerirdischen hätten sich mit menschlichen Frauen vermischt (vgl. auch 1 Mose 6,1-3) und vermehrt. Vor 13.000 Jahren schließlich hätte eine große Flut zahllose Menschen getötet, worauf es zu Kriegen zwischen den Menschen und den Außerirdischen gekommen sei. 


Sitchin wollte alten Schrifttafeln ferner entnommen haben, dass Nibiru von Außerirdischen bewohnt sei, die eines Tages die Menschheit auslöschen werden. Der Bezug zum 21.12.12 mag vor allem deshalb hergestellt worden sein.


Eine kritische, aber sachliche Stellungnahme zu Sitchins Thesen und z.T. auch Dänikens findet sich bei der GWUP: "Fehler und Fehlinterpretationen Zecharia Sitchins".


Verallgemeinernd ist anhand dieser Kritik festzustellen, dass präastronautische Thesen zwar plausibel klingen, anderseits aber wohl gänzlich unbewiesen sind. Zumindest in Bezug auf Sitchins Ausführungen lässt sich dies mit einiger Sicherheit sagen.

Ausgerechnet auf Sitchins spekulative Annahmen lässt sich ein Weltuntergangsszenario für 2012 also nicht glaubhaft aufbauen.

Aber: 
"Dem Irrglauben wird niemand Herr werden."

Dienstag, 18. Dezember 2012

Luther gegen den Papst (Doku)

ARTE-Dokumentation über Martin Luther und seine Zeit

In gut 90 Minuten wird recht weit ausgeholt, anstatt allein die teilweise zu beobachtende Korruption innerhalb der katholischen Kirche als alleinige Ursache für die von Martin Luther letztlich ungewollt eingeleitete Kirchenspaltung darzustellen. Gut so, denn nur im Kontext eines in den autonomen Städten Italiens allmählich beginnenden Gesinnungswandels lässt sich die Resonanz auf Luthers Werk vollständig verstehen.

Freilich fand Luther eine Kirche vor, deren Leitung sich mit Händen, Füßen und Gewalt gegen dringend notwendige Reformen zur Wehr setzte, nachdem die innerkirchliche Erneuerungsbewegungen vorheriger Jahrhunderte zwar Erfolge vorzuweisen hatte, aber das Antlitz der Kirche insgesamt kaum hatte beeinflussen können.
                 

Siehe auch: